Bunte Röcke - Performing Arts Festival Blog 2018

Bunte Röcke

8. Juni 2018

KRITIKEN

Beim PAF wird die Ruine der Franziskaner-Klosterkirche in Berlin Mitte zur Kulisse für Inners Tanzperfomance „Zwei Schwestern“.

Bunte Röcke schwingen durch die Luft, verdecken mal einen Teil, mal den ganzen Körper der Performerinnen Cathleen Rabe und Marlene Naumann. Ein sich gegenseitig spiegelndes Wechselspiel, das die Körper der beiden Frauen über den Vorplatz der Kirchenruine treibt. Wir befinden uns mitten in der Tanzperformance von Inner, die mit ihrer Darbietung “Zwei Schwestern” laut Programmheft Grenzen der Scham und des Wohlbefindens erforschen will.

Die Umgebung – draußen, umgeben von den architektonischen Spuren Berliner Geschichte – scheint aber eher abzulenken als das Thema zu unterstützen. Die vorbeigehenden Menschen erzeugen Unruhe in diesem ohnehin aufregenden Architekturpotpourri. Fernsehturm gegen Franziskanerruine, Vogelgezwitscher und sanfte Querflöte, die dem Bewegungsfluss der beiden Tänzerinnen die Bahn weist, gegen laute Bundesstraße.

Da fällt es leichter, sich auf diese Diskrepanzen einzulassen als auf die Performance der Künstlerinnen. Die Distanz, die sich anfangs zwischen den Darstellerinnen auftut, als sie nur mit dem Kopf den Körper der anderen berühren, überträgt sich auch auf das Publikum. Die Spannung, die dadurch entsteht bleibt jedoch intim, zwischen den beiden. Im Halbkreis folgen Bewegungsabläufe, die an ein Begegnungsritual von Tieren erinnern und sich bis zum Kampf steigern. Die Röcke verwandeln sich vom Mönchsgewand zum Fell schüchterner Tiere.

So sieht man in ihrer Begegnung ein wälzendes, kämpfendes Farbknäuel, ein Höhepunkt im Spiel von Nähe und Distanz, das die Performerinnen räumlich wie körperlich die ganze Zeit begleitet. In diese Richtung ließe sich weiterdenken. Nach nur zehn Minuten ist allerdings schon Schluss – gerade in dem Moment, als sich erahnen lässt, inwiefern es um Scham und Grenzen gehen könnte: im Moment der körperlich engen Begegnung.

von Marie Benthin

Wieder Freitag, 19 Uhr vor der Franziskanerkirchenruine in Mitte.